Viel ist hier leider wirklich nicht mehr los. Gemäß der Tradition seit 2007, verfasse ich nun mal wieder meinen Rückblick auf ein abgelaufenes Jahr. Sehr interessant war gerade die Erfahrung, hier zu lesen, was mich in den Jahren 2007 und 2008 bewegt hat. Manche Dinge ändern sich sehr drastisch, was einmal wichtig erschien, ist heute bedeutungslos, andere Dinge scheinen sich immer auf's Neue zu ereignen.
Begonnen hat 2009 mit einem sehr schockierenden Ereignis - wieder mal ein Suizid (siehe auch mein Memo "Anne ist tot"). Diesmal kannte ich den jenigen, der seinem Leben ein Ende gesetzt hat gerade einmal seit knapp zwei Wochen. Die Umstände seines Todes sind mir dennoch sehr nahe gegangen. Ein Absolvent der Rettungsassistenschule in Essen war zur dortigen Ausbildung aus Süddeutschland angereist, wo er mit einem Freund von mir für ein paar Monate die Schulbank drücken sollte. Hilfsbereit, wie mein Freund ist, hat er ihn für die Dauer der Ausbilung bei einem anderen Freund von uns untergebracht - Zweier-Männer-WG, eine zweckmäßige gute Lösung. In dieser Wohnung lag er dann eines Abends tot in der Badewanne. Er hatte sich (aus einem Notarztkoffer, den er garnicht hätte besitzen dürfen) eine sehr große Dosis Muskelrelaxantien gespritzt. Alle Schmerz- und Betäubungsmittel fand die Kripo unangetastet im Koffer. Offensichtlich seinem Wunsch entsprechend ist er bei vollem Bewustsein in der Wanne ertrunken, nachdem er nicht mehr in der Lage war, sich über Wasser zu halten weil er keinen Muskel mehr anspannen konnte. Im Nachhinein haben wir von den Umständen erfahren, die ihn zum Suizid geführt haben. Manche Dinge erscheinen im Nachhinein so unendlich sinnlos.
Kurz darauf habe ich eine Freundin, die ebenfalls einen Suizidversuch hinter sich hat, darin bestärkt, sich nochnals für eine Weile in stationäre psychatrische Behandlung zu begeben. Drei Monate bin ich bin ich fast täglich bei ihr in der Klinik gewesen, habe sie über Wochenden von dort abgeholt. Auf einem dieser Wege hatten wir einen Autounfall, verursacht durch einen geplatzten Reifen. Günsigerweise haben wir eine Leitplanke getroffen, ansonsten wäre der Unfall auf dieser Strecke vermutlich tödlich verlaufen. Als ihr Klinikaufenthalt endete, haben wir uns dermaßen gestritten, dass wir bis zum Spätsommer kein Wort mehr miteinander gewechselt haben. Mittlerweile geht's ihr wesentlich besser und wir haben wieder regelmäßig Kontakt.
Als ich vorhin von meiner Verliebtheit vor ca. einem Jahr las, musste ich lächeln. Wir haben das dann miteinander probiert, aber da gab es dann auch noch ihren "stalkenden" Ex-Freund, mit dem sie definitiv noch nicht durch war und ich habe mich dieser Konkurrenz nicht gestellt. Lieber selbst endscheiden zu gehen, als irgenwann als Unterlegener zu gehen.
Dann ist was Großartiges passiert. Zwei Tage vor ihrem 34. Geburtstag habe ich zufällig im Internet eine Frau wiedergefunden, mit der ich mich vor ca. 10 Jahren sehr gut verstanden habe. Damals haben wir für den gleichen Reiseveranstalter gearbeitet, sie in Hannover, ich im Headquarter in Düsseldorf. Nachdem wir uns 1999 in Hannover begegnet waren, endwickelte sich eine enge Freundschaft, wir besuchten uns gegenseitig privat über's Wochenende, schickten uns kleine Aufmerksamkeiten per Ticketpost, telefonierten abends stundenlang - wurden aber kein Paar, da zwischen uns geklärt war, dass keiner von beiden seinen Lebensmittelpunkt in den Wohn- und Arbeitsort des anderen verlegen würde. Sie war die Frau, der ich eine SMS über die größte Distanz überhaupt geschickt habe. Ich stand in Laos, direkt an der Grenze zu Thailand (Laos hatte damals kein Handynetz) und schickte ihr ein paar nette Worte auf ihr Handy, als sie sich gerade in Portugal befand. Tja, und dann irgendwann abe ich das Unternehmen verlassen, wir haben noch ein weiteres Jahr gemailt und telefoniert, dann immer seltener, bis irgendwann der Kontakt abbrach - bis März 2009.
Mittlerweile weiß ich, dass sie in all der Zeit zwei Jahre auf Hawaii gelebt und gearbeitet hat und über den Umweg Griechenland wieder nach Hannover zurückgekehrt ist. Unsere Kommunikation kann heute qualitativ wie quantitativ uneingeschränkt mit damals mithalten, nur dass wir uns bislang noch nicht wieder getroffen haben. Das wird dann am 30./31.01.10 endlich passieren. Ich freue mich total darauf. Seltames Gefühl, fast wie verliebt. Irgenwie haben wir uns vor dem Hintergrund dessen, was damals war, wieder sehr fest aneinander geöhnt. Es vergeht kein Tag, an dem wir uns nicht ein paar liebe Worte zukommen lassen. Höchste Zeit, dass wir uns nochmal neu "beschnuppern".
Fast den ganzen August habe ich bei Freunden in Schleswig-Holstein verbracht. Die haben mir zu verstehen gegeben, dass für den Fall, dass ich dort oben einen Job finden sollte, ich zunächst mit in ihrem Haus leben könne. Und sie hätten mich wirklich gern dort. Das schmeichelt mir sehr, den Norden liebe ich eh und dann mit dem Wagen zwanzig Minuten bis an die Ostsee, dressig Minuten nach Lübeck, und eine Stunde bis "beloved" Hamburg - ideal! Aber da gibt's halt ein paar Dinge, die mich irgendwie doch in meiner Heimat halten, allem voran meine Band.
Nachdem sich 2009 eine feste Besetzung gefunden hat, bekommen wir mehr Buchungsanfragen, als wir als Amateurband annehmen können. Außerdem haben wir 2009 erstmals die Organisation eines Benefizfestivals übernommen, dessen 10jähriges Bestehen wir 2010 feiern können.
Wenn alles läuft wie geplant, mnachen wir in diesem Sommer unsere erste kleine Norddeutschland-Tour und gehen erstmals mit einem eigenen Song ins Studio.
Nach sieben Jahren THW habe ich mich bis auf Weiteres in den Reservestatus versetzen lassen. Eine Pause war dringend nöig, damit die ehrenamtliche Arbeit dort wieder Spaß macht. Leider ist es so, dass einige Führungskollegen ihre persönlichen Eitelkeiten vor den Zweck der Organisation stellen. Das muss ich mir auf Dauer in meiner Freizeit und ehrenamtlich nicht geben. Es gibt Angebote aus meinem alten Ortsverband, dort in interessanten Positionnen wieder einzusteigen, aber diese Endscheidung eilt aus meiner Sicht nicht.
Stattdessen erngagiere ich mich seit Juli organisiert politisch und sitze nun in meiner Stadt im Kulturausschuss (Ausschuss für Kultur, Stadtmarketing und Tourismus). Die "große" Politik bereitete mir 2009 eher Unverständnis und Kopfschütteln. Bei uns in NRW gab es neben der Bundestagswahl auch noch Kommunal- und Landtagswahlen. Zum einen schockiert mich die immer geringer werdene Wahlbeteiligung, zum anderen die völlig inhaltsleere Koalitionsbildung mancherorts. Im teuersten Bundestagswahlkampf in der Geschichte der BRD haben die etablierten Parteien bewiesen, wie austauschbar sie mittlerweile sind. Und in der Weltpolitik hat auch Obama auf ganzer Linie enttäuscht. Ja, auch mir ist Obama lieber als der Bush-Clan, Aber was ist von seinen Ankündigungen übrig? Der Friedensnobelpreisträger schickt weitere 30.000 US-Soldaten in den Irak. Strafrechtlich relevante Vergehen der Bush-Regierung werden nicht geahndet. Obama's Rede an die muslimische Welt verkommt zur leeren Worthülse, wenn nicht endlich der Dialog mit allen Muslimen gesucht wird. Afghanische Zivilisten zu bombardieren erleichtert den überfälligen Dialog auch nicht gerade.
Alles in allem gibt es - außer in kleinen privaten Dingen - für mich nicht allzu viele Gründe, optimistisch auf das Jahr 2010 zu blicken.
