Monsters Of Rock

4
Punkte
1. September 1984 | Karlsruhe

Am späten Freitagabend mit der Deutschen Bundesbahn von Köln Hauptbahnhof in Richtung Süden gestartet, in unruhiger Vorfreude auf den folgenden Tag, das Festival: Monsters Of Rock. Wir würden jene Bands live erleben, deren Platten wir beinahe ständig hörten: Mötley Crue, Accept, Gary Moore, Ozzy Osbourne, Y&T, Dio, Van Halen und AC/DC. Unser Ziel: Karlsruhe, Wildparkstadion.

Wir - das waren ein gutes Dutzend Hard'n'Heavy-Fans aus Solingen, die sich teils aus der Schule, teils von Konzerten kannten. Es war 1984, entsprechend achtzigermäßig war unser Outfit: Diejenigen, die auf AC/DC standen, trugen abgewetzte Jeansklamotten zu schwarzen (AC/DC)-T-Shirts und gemäßigt langes Haar. Die Metal-Fraktion (der ich angehörte) kombinierte breitgestreifte hautenge Hosen mit Biker-Lederjacken, fingerlosen Lederhandschuhen, und T-Shirts unserer Lieblingsbands (ich trug ein Accept-Shirt), das Haar so lang wie irgend möglich (ich damals: blonde Locken bis fast zum Hintern) und wir alle trugen die obligatorischen Adidas "Allround" Turnschuhe und etliche bunte Badges und Pins der angesagten Bands an unseren Jacken.

So saßen wir Dosenbier trinkend, rauchend und über unsere "Helden" diskutierend in einem Zug, der sich bei jedem Stop mit weiteren Gleichgesinnten füllte. Mit Sicherheit waren wir keine Hooligans, ich habe auch während der gesamten Fahrt keine Randale wahrgenommen, aber als wir im Morgengrauen in den Karlsruher Hauptbahnhof einfuhren, erwarteten uns dort Polizei-Hundertschaften mit Hunden. Die eskortierten uns dann den langen (Fuß-)Weg bis zum Stadion.

Dort angekommen trafen wir auf Tausende Fans, die vor den Eingängen und entlang der Strasse campierten. Irgendwo inmitten dieser Meute haben wir wohl noch ein wenig Schlaf gefunden.

Der Einlass muß so gegen 10:00 gewesen sein. Irgendwann waren wir drin und hatten Plätze auf der Tribüne rechts der Bühne eingenommen. Ich persönlich war insbesondere heiss darauf, Accept zu sehen, eine Band aus meiner Heimatstadt Solingen, die ich zu dieser Zeit bereits persönlich kennengelernt hatte (dazu demnächst ein eigenes memo), außerdem Gary Moore und Van Halen.

Es wird wohl ungefähr 12:00 gewesen sein, als Mötley Crue das Festival eröffenten. Deren Musik fand ich ganz okay, das Outfit und Make Up, das Poser-Gehabe erschienen mir damals schon ein wenig albern. Das konnten Kiss, bei denen sie ihre Perfomance abgeschaut hatten eindeutig besser.

Danach endlch: Accept! Drei Jahre zuvor hatte ich sie noch in der Stadthalle meiner/ihrer Heimatstadt vor ca. 600 Zuschauern gesehen, hier nun in einem Stadion vor 45.000 Fans. Ich kannte jeden Text, jede Note, war in ihrem Proberaum gewesen - und war nun live dabei, als sie in einem solch gigantischen Rahmen spielten. Ein grandioses euphoreisches Gefühl.

Es folgte Gary Moore. Damals spielte er noch Hard Rock statt radiotauglichem Blues. Und diesen Hard Rock spielte er verdammt gut. Für alle Nachswuchsgitarristen (wie mich) war er ein wahrer Hexenmeister. Am Ende seines Sets ließ er seine weiße Charvel Strat (E-Gitarre) einfach ins Publikum fallen. Sollte jemand die in einem Stück aus dem Stadion geschfft haben, dürfte er heute ein kleines Vermögen für die Gitarre bekommen.

Die folgenden Bands habe ich eher nebenbei mitbekommen. weil ich mich auf dem Festivalgelände umgesehen habe. Ozzy Osbourne und Ronnie James Dio waren damals schon ganz große Namen, beide hatten bei Black Sabbath gesungen, Dio in den 70ern bei Rainbow. Beide Bands waren jedoch irgendwie eine Generation zu alt für mich. Ich fand sie gut, jedoch gab's für mich eindeutig heißere Acts.

Als die Sonne tiefer stand, gingen Van Halen (das Original Line Up mit Dave Lee Roth) auf die Bühne. American Party Rock pur! Gitarrist Eddie Van Halen hat mit seinem Stil die Rockmusik der 80er geprägt und ist von unzähligen Gitarristen kopiert (von ganz wenigen erreicht) worden. Van Halen's größter Hit "Jump" war gerade aktuell und die Show war gigantisch.

Nach Einbruch der Dunkelheit kam dann die Band, die diese Gigantomanie nochmals steigerte: AC/DC. Auf der Bühne waren jetzt Gebirge aus Gitarrenboxen, erhöhte Laufstege, Kanonen und die "Hell's Bells"-Glocke. Gitarrist Angus Young, eher klein, in Schuluniform mit Schulranzen (!) rannte wild zuckend über die Bühne in ihrer gesamten Breite und Tiefe, tauchte auf den Podesten oberhalb der restlichen Band auf, während Sänger Brian Johnson die bekannten Hymnen heiser in die Arena brüllte. Im Intro zu "Hell's Bells" drosch er auf besagte Glocke ein, zu "For Those About To Rock, We Salute You" zündete er die Kanonen. Der Rest der Band - eher statisch - drosch den Rhythmus wie ein Uhrwerk dazu.

Irgendwann am Abend ging dann auf der Bühne endgültig das Licht aus. An die Rückfahrt habe ich keine Erinnerung mehr.

Wenn ich heute an dieses Festival zurückdenke, muss ich schon sehr schmunzeln. Wir waren gestylt wie Clowns und fanden uns verdammt cool - es waren die 80er. Mit ein wenig Wehmut denke ich an meine lange blonde Lockenpracht zurück. Heute trage ich das mir verbliebene Haupthaar auf einer pflegeleichten Länge von drei Millimetern :-)

Was geblieben ist aus dieser Zeit? Meine Vorliebe für gute Rockmusik (Mötley Crue gehören definitiv nicht dazu) und jede Menge Erinnerungen. Naja, und zum Programm meiner Coverband gehören Van Halen's "Jump" und "Highway To Hell" von AC/DC. Die gehören jetzt wohl schon in die Sparte "Oldies".