Jenseits aller Vorstellungskraft

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26. Dezember 2004 | Hamburg

In diesen Tagen muss ich immer wieder an den Jahreswechsel 2004/2005 denken.

Am 26. Dezember packte ich morgens meine Reisetasche, um nachmittags nach Hamburg zu fahren, wo ich den Jahreswechsel bei Freunden verbringen würde. Nebenbei lief der Fernseher. Irgendwann erschien am unteren Bildrand eine Sondermeldung "Tsunami nach Seebeben im Indischen Ozean".

Im Rahmen meiner vierjhährigen Tätigkeit für einen Fernreiseveranstalter hatte ich weite Teile Südostasiens kennen und lieben gelernt (dazu demnächst weitere memos), und blieb mit den schlimmsten Befürchtungen vor dem Bildschirm hängen. Erste Grafiken des Verlaufs der Welle zeigten, dass Phuket und Kao Lhak mit voller Wucht getroffen worden waren. Ich musste an die Tage denken, die ich im März 2001 in Kao Lhak verbracht hatte. Die Delegation von deutschen Touristikern, der ich damals angehörte, beendete eine zweiwöchige Kambodscha/Laos/Thailand Tour in dem ehemaligen Fischerdorf, das sich gerade zum Urlaubsort entwickelte. Mit unserem local guide, einer jungen Einheimischen, hatte ich eine ganze Nacht an dem Traumstrand vor unserem Hotel verbracht und über Buddhismus, westliche und östliche Weltanschauung diskutiert. Benachbarte Resorts hatte ich besucht, um dort für den Asienkatalog meines damaligen Arbeitgebers zu fotografieren. Viele freundliche Menschen waren mir dort begegnet.

All das ging mir durch den Kopf, als n-tv erste Zahlen bezüglich vermuteter Todesopfer veröffentlichte. Irgendwann schnappte ich mein Gepäck und machte mich auf den Weg nach Hamburg, immer ein Ohr an den Meldungen im Autoradio.

In der Wohnung meiner Hamburger Freunde lief quasi rundum die Uhr n-tv und das Thema Tsunami bestimmte fast alle unsere Gespräche. Das ganze Ausmaß dieser Katastrophe mit der unglaublichen Zahl von Todesopfern überstieg längst unsere Vorstellngskraft. Zwischenzeitlich hatte ich Fernsehbilder aus Kao Lhak gesehen, auf denen ich eins der von mir seinerzeit fotografierten Resorts erkannt hatte - zumindest das, was die Killerwelle davon übrig gelassen hatte. Da ging dann garnichts mehr, ich hab einfach geflennt.

Da ich aktives Mitglied des Technischen Hilfswerks (THW) bin, wusste ich bald, dass dies einen großen Auslandseinsatz nach sich ziehen würde. (Kurze Erklärung: Für den "normalen" THW-Helfer besteht Einsatzpflicht lediglich in Deutschland, Auslandseinsätze sind freiwillig. Ausgenommen hiervon sind die Spezialeinheiten SEEWA und SEEBA, sowie alle Absolventen des EGA-Lehrgangs). Am 28. Dezember kam dann die telefonische Anfrage, ob ich mich bereiterklären würde, als Helfer nach Asien zu gehen - ggf. auch von Hamburg aus. Unter der Bedingung, nicht in Kao Lhak eingesetzt zu werden, habe ich zugesagt, wie fünf weitere Helfer meines Heimat-Ortsverbands.

Unser Einsatz als Ablösung für THW-Kräfte in Banda Aceh/Indonesien ab dem 19. Januar ist letztendlich an nicht rechtzeitig durchführbaren Schutzimpfungen gescheitert. Sei's drum. Ich hätte gern vor Ort geholfen, weiss aber aus Gesprächen mit THW-Kollegen, die dort waren, wie wenig man nach persönlichen Empfinden dort ausrichten konnte, angesichts des unvorstellbaren Ausmaßes dieser Katastrophe.

Dieses Ereignis hat sich bei mir zumindest ebenso tief ins Gedächtnis eingeprägt, wie "9/11". Allerdings habe ich den Eindruck, dass dieser Tsunami und all das was ihm folgte auf fast kein Medieninteresse merhr stösst.